Di, 02.02.2021

Dankmar Venus 25. Mai 1929 – 7. Dezember 2020

Es war die Musik, mit der er die angekommenen Menschen begrüßte, ihnen Freude bereiten und auch Trost spenden wollte und konnte. Es war auch die Musik und sein Glaube, die ihm über all das Elend, das er im Lager erlebte, hinweghalfen. Oder mit den Worten von Dankmar Venus: „In Friedland flossen viele Tränen, Tränen der Freude, des Glücks und des Leids“.
Als jugendlicher Flüchtling war er mit seiner Familie aus Bischofswerda in der Oberlausitz nach Hoya bei Bremen gekommen. Dort spielte er schon bald die Orgel und gründete einen Singkreis. Der Pastor des Orts erkannte sein Talent und verschaffte ihm ein Stipendium für das Orgelstudium an der kirchlichen Musikhochschule in Hannover. Im April 1950 legte er seine Prüfung ab. Während der Orgelprüfung wurden seine Weichen Richtung Friedland gestellt: Der Lagerpfarrer Lippert platzte mitten in die Prüfung mit dem Ruf, er suche dringend einen Organisten und Kantor.
Schon am 1. Mai trat Dankmar Venus 21-jährig sein Amt in der Lagerkapelle in Friedland an. Hier spielte er für die nächsten Jahre täglich die Orgel in den Gottesdiensten für die Heimkehrer aus sowjetischer Gefangenschaft und die Aussiedler aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten. Außerdem arbeitete er als Betreuer im Jugendauffanglager, bis es 1951 aufgelöst wurde. Auch seine ersten Jahre als Grundschullehrer absolvierte er später in Friedland.
Für das Lied von der ‚Friedlandglocke‘ des Lagerchronisten Friedrich Hirsch komponierte er den Tonsatz.
Nach einem Pädagogikstudium und nachfolgender Lehrertätigkeit war er ab 1969 Professor für Musik und ihre Didaktik an der Universität Göttingen. Seine Schwerpunkte in Lehre und Forschung waren Hörerziehung, neue Musik und musikalische Improvisation.

Dankmar Venus konnte lebhaft erzählen. Die vier Episoden über seine Zeit im Grenzdurchgangslager Friedland, die im Zeitzeugenportal abrufbar sind, spiegeln die innere Anteilnahme und auch die Freude wider, die er auch nach Jahrzehnten noch empfand, damals dabei gewesen zu sein. Sein Lebenskreis hat sich nun geschlossen.

Klaus Magnus

 

 

 

Mi, 24.02.2021