Di, 19.06.2018
Bewegt und bewegend

World Refugee Day im Grenzdurchgangslager Friedland

Spannend war unser Aktionstag schon, ehe es wirklich losging. Würde der 10 Meter hohe Kran überhaupt auf dem vorgesehenen Platz parken können? Es war Millimeterarbeit, aber es passte genau. Ein Glück!

So konnte Joshua Redlich vom Alpenverein Göttingen das Sicherungsseil in schwindelnder Höhe befestigen, sodass dem Kisten- und Strickleiterklettern nichts mehr im Wege stand. Zunächst traute sich keiner so recht, aber nachdem das erste Kind Mut gefasst hatte und den Anfang machte, standen die anderen Schlange.

Überhaupt spielten Sport und Bewegung am World Refugee Day eine große Rolle, den wir gemeinsam mit dem Bündnis „Niedersachsen packt an“ rund um die Nissenhütte mitten im Grenzdurchgangslager Friedland veranstaltet haben. Der ASC 1864 Göttingen hatte Diabolos mitgebracht, eine Slackline und Pedalos zum Balancieren, beim Leitergolf konnte man sein Handicap verbessern. Damit gab es gleich einen kleinen Vorgeschmack auf unsere Sonderausstellung "Entscheidend ist auf dem Platz" zum Thema Sport und Integration, die wir am 11. August eröffnen.

Ruhiger ging es in der Kunstecke zu: Bei Face Painting, Kalligraphie und der Malaktion „Painting for Peace“ ließen einige Gäste ihrer Kreativität freien Lauf. Wer wollte, konnte auch bienenfreundliche Kräuter wie Minze, Johanniskraut oder Salbei in Kokostöpfchen pflanzen, die „Lichtenborner Kräuter“ gespendet hatte. Die Pflänzchen werden demnächst im Friedlandgarten eingesetzt, der von Bewohner*innen des Grenzdurchgangslagers und Menschen aus der Region gemeinschaftlich betrieben wird.

Den Soundtrack zu alledem lieferte die Band Makatumbe aus Hildesheim mit einem breiten Stilmix von Cumbia und Reggae über Balkan-Beats bis zu Musik aus dem arabischen Raum. Mit ihrer ungewöhnlichen Besetzung -Stimmakrobatik und Gesang, Akkordeon, Klarinette, Schlagzeug und Bass – sorgte die Band schnell dafür, dass der Funke übersprang. Die Musik kam bei den Gästen aus Friedland und Umgebung und den Bewohner*innen des Lagers, in dem zur Zeit Menschen aus 21 Nationen untergebracht sind, gut an.

Die Bandmitglieder hatten auch sichtlich Spaß daran, das Spiel „Reise nach Jerusalem“ musikalisch zu begleiten. Sobald die Musik stoppte, mussten die Teilnehmer*innen schnellstens auf einem der vor der Bühne platzierten bunten Kulturstühle Platz nehmen. Eine ganz schöne Herausforderung, besonders wenn man einen hohen Barhocker oder einen winzigen Kinderstuhl erwischte.

Ganz spontan kam ein junger Sänger auf die Bühne, Farhad aus Syrien, der ein Liebeslied auf Arabisch sang. Über den Köpfen der Besucher*innen schwebten unzählige Seifenblasen – dank Soap Bubble Artist Marco Wittich. Bei Finger Food und kalten Getränken, aber auch in Führungen über das Gelände des Grenzdurchgangslagers kamen Gäste und Bewohner*innen, Einheimische und Weitgereiste miteinander ins Gespräch.

Dass es keine Pause gibt im Betrieb des Lagers wurde auch an diesem Tag deutlich: Eine junge Mutter mit ihren beiden Töchtern sprach uns an. Sie seien Spätaussiedler und gerade erst mit ihrer Familie aus der Gegend von Moskau angekommen. Nach der langen Reise war die Frau sehr erschöpft und wollte einfach nur wissen, wo sie und ihre Familie die Nacht verbringen könnten. Wir haben sie zur Anmeldung im Lager gebracht, die zum Glück sieben Tage die Woche besetzt ist.

Wir haben uns sehr gefreut, dass wir mit unserem Aktionstag nun schon zum dritten Mal im Grenzdurchgangslager zu Gast sein durften. Dafür wollen wir uns ebenso bedanken wie bei unserem Mitveranstalter „Niedersachsen packt an“ und bei allen Netzwerkpartnern, die uns an diesem Tag unterstützt haben – allen voran den zahlreichen Volunteers sowie bei ASC Göttingen 1846, Caritas Friedland, Friedlandgarten, musa Göttingen und ZESS von der Uni Göttingen.

Eva Völker

Do, 19.07.2018 Mo, 11.06.2018