Mi, 28.08.2019

Aktionstag „Migration bewegt Göttingen“ auf dem Wilhelmsplatz

Infostände zum Thema Migration und Integration, Riesen-Seifenblasen und mitreißende Musik bestimmten am 17. August die Göttinger Innenstadt. Das Museum Friedland und das Bündnis „Niedersachsen packt an“ hatten zu einem Aktionstag auf dem Wilhelmsplatz in der Göttinger Innenstadt geladen. Im Rahmen des Projekts „Stadtlabor: Migration bewegt Göttingen“ wollten wir zum Austausch darüber anregen, wie in der Stadtgesellschaft Migration, Willkommen und Integration gestaltet werden können.

An zahlreichen Ständen konnten sich Besucher über das Thema Migration informieren und austauschen, in gemütlichen Liegestühlen vor der Bühne Gespräche führen oder einfach der Musik der Dresdener Formation „Banda Comunale & Internationale“ zuhören. Die Band mit Musikern aus Syrien, Palästina, Burkina-Faso, Iran und dem Irak engagiert sich schon seit Jahren für eine Willkommenskultur in Deutschland und hat bei ihrem Auftritt auf dem Wilhelmsplatz sicherlich einige Göttinger Fans gewonnen. Auch Initiativen wie die Göttinger Seebrücke, das Lampedusa-Bündnis und das Co-Kurationsprojekt freiraum_museum stellten sich vor.

Höhepunkt des Tages war eine Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Politik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft. Der Moderator Jan Fragel diskutierte mit Dr. Danielle Gluns, Leiterin der Transferstelle für Migrationspolitik an der Uni Hildesheim, Dr. Jelka Günther vom Projekt „Stadtlabor: Migration bewegt Göttingen“, Zeliha Karaboya vom Migrationszentrum Göttingen, Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD), Kreisrat Marcel Riethig (SPD) und Dr. Peter Birke vom Lehrstuhl für Soziologie an der Universität Göttingen.

Unter dem Motto „Stadt Land Flucht“ ging es darum, welche Herausforderungen und Chancen das Leben für Migranten in der Stadt und auf dem Land bietet, wie Integration dort funktioniert und wie gute Ideen zur Integration politisch erfolgreich auf den Weg gebracht werden können.

Moderator Fragel wollte zunächst wissen, welches die „großen Herausforderungen” beim Thema Migration seien. Peter Birke sah vor allem auf dem Arbeitsmarkt Handlungsbedarf und forderte Ausbildung statt Ausbeutung. Für Rolf-Georg Köhler war hingegen klar: „An erster Stelle steht das Thema Wohnungen.” Zeliha Karaboya bestätigte die Bedeutung eigenen Wohnraums: „In den ersten Monaten ist eine Sammelunterkunft noch in Ordnung, dort können sich die Bewohner erst einmal orientieren. Dann aber ist Privatsphäre wichtig.” In der Stadt Göttingen fehlen bezahlbare Wohnungen, auf dem Land herrscht hingegen oft Leerstand. Karaboya merkte jedoch aus ihrer Praxiserfahrung an: „Ich habe es bislang noch nicht erlebt, dass jemand aufs Land will.” Für Familien sei das aber eine Option, die Kinder können dort in Kita und Schule gut integriert werden. Am Ende der lebhaft geführten Diskussion fasste Moderator Jan Fragel zusammen: „Die Herausforderungen für Migranten sind gleichzeitig Chancen für alle Menschen in Stadt und Land.“

Den Abschluss des Aktionstages bildete eine szenische Lesung des freien Theaters boat people projekt. Eine Woche lang hatte der Autor und Regisseur Anis Hamdoun aus Berlin verschiedene öffentliche Plätze Göttingens besucht und dabei eine Live-Text-Performance gestaltet. Diese experimentelle Annäherung auf der Suche nach der Vielfalt und Einheit in Göttingen eröffnete neue Perspektiven auf das Zusammenleben in dieser Stadt und auf den Umgang der Menschen miteinander.

Der Aktionstag „Migration bewegt Göttingen“ hat die Öffentlichkeit aufmerksam gemacht auf die noch vor uns stehenden Aufgaben und Herausforderungen in der Migrationsgesellschaft, aber auch auf das in Göttingen bisher Erreichte, die vielen Engagierten, auf die Erfolge und den Zusammenhalt in der Stadt.  

 

Dr. Anna Haut

Di, 20.08.2019 Do, 08.08.2019