Do, 08.08.2019
Start des Co-Kurationsprojekts freiraum_museum|

Partizipation im Museum Friedland!

Am 18. März 2016 wurde das Museum Friedland feierlich eröffnet. Seither wurde es von über 50.000 Menschen besucht und hat sich als lebendiger Ort historisch-politischer Bildung über Flucht und Migration in Deutschland etabliert. Wie in der Planung des Museums Friedland vorgesehen, wird dieser Ort nun durch einen Neubau erweitert, in dem die Gegenwart und die Zukunft der deutschen Migrationsgesellschaft im Fokus stehen. Die Akzentverschiebung im Narrativ zwischen Bahnhof und Neubau lässt sich gut am Motto des Museum Friedland veranschaulichen:

Von Abschied–Ankunft im Bahnhof hin zu Ankunft–Neubeginn im Neubau. Die übergreifende thematische Leitlinie ist hier dementsprechend das Zusammenleben in einer von Migration geprägten Gesellschaft in der Gegenwart und Zukunft.

Der Neubau soll die ambitionierte Vision eines weitgehend kollaborativ und partizipativ entwickelten Museums realisieren. Teilhabe wird so nicht nur zum Thema, sondern zum Fundament des neuen Hauses. Sie beginnt zudem weit vor der Eröffnung des neuen Gebäudes, denn auch die dort zu präsentierenden Inhalte sollen gemeinsam mit einer breiten Öffentlichkeit erarbeitet werden. Dafür startet das Museum Friedland nun einen umfassenden partizipativen Prozess. In diesem werden die Themen und Angebote, die im Neubau präsentiert werden, sowie die mögliche Nutzung der Räume gemeinsam erarbeitet. Es soll geklärt werden, was die Menschen, die das Museum später nicht nur besuchen, sondern aktiv nutzen sollen, von diesem Gebäude wünschen, was es ihnen bieten kann, welche Themen für sie relevant sind und wie diese Themen für sie einladend, ansprechend und anregend präsentiert werden könnten. Es gilt ganz offen zu fragen, was die Menschen in Bezug auf Migration in der Gegenwart und Zukunft interessiert und vorab antizipierte Themen auf ihre tatsächliche Relevanz hin zu prüfen und zu verändern.

Mit den partizipativen Methoden möchte sich das Museum Friedland dabei innerhalb der deutschen Museumslandschaft klarer für die Teilhabe der Besucher*innen positionieren, sich kritisch mit musealer Repräsentation und Deutungshoheit auseinandersetzen und diese in Teilen auflösen helfen. Das Haus löst sich damit noch weiter von einem auktorialen Narrationsstil und stärkt das Prinzip der Vielstimmigkeit im Museum durch multiperspektivisch erarbeitete Museumsinhalte. Das Museum setzt so auf gegenseitigen Respekt und ein voneinander Lernen mit dem Ziel, einen transkulturellen Arbeitsansatz zu entwickeln, der nicht mehr die Frage nach der Herkunft stellt, sondern gemeinsame Themen identifiziert, diskutiert und für eine Präsentation aufarbeitet.

Die partizipative Arbeit selbst ist auf 1 ½ Jahre angelegt. Ab August 2019 bietet das Museum zahlreiche Veranstaltungen, Workshops, Umfragen und partizipative Ausstellungen an, durch die alle Interessierte den Neubau mitgestalten können. Außerdem wurde eine Struktur entwickelt, die es Institutionen, Organisation, Gruppen und Netzwerken leicht macht, sich in die Arbeit einzubringen. Mitmachen können alle die Lust und Interesse am Thema oder am Museum Friedland haben: egal ob Sie jung oder alt sind, in Friedland oder anderswo leben, eingewandert oder seit Generationen in Deutschland sind, arbeiten, studieren, pensioniert sind oder noch zur Schule gehen – jede*r ist herzlich willkommen.

Dr. Birga Meyer

Di, 20.08.2019 Mi, 24.07.2019