Mo, 26.02.2018
Vertrer*innen von UNHCR, NGOs und Regierungen zu Besuch

Hochkarätige Resettlement-Tagung in Friedland

Die dreitägige Konferenz rund um das Thema Resettlement hatte ihren Auftakt im Grenzdurchgangslager Friedland. Die etwa 70 Teilnehmer*innen aus vielen verschiedenen Ländern haben alle in der ein oder anderen Form mit Resettlement zu tun, dem Neuansiedlungsprogramm des Flüchtlingshilfswerks UNHCR - ob im Namen aufnehmender Staaten, des UNHCR oder als Vertreter*innen von NGOs. Ziel dieser jährlich stattfindenden „Tripartite Consultations on Resettlement“ ist es, die Zusammenarbeit zwischen Regierungen, dem UNHCR und den NGOs zu stärken. In Friedland konnten sich die Teilnehmer*innen u. a. in Vorträgen der Caritas Friedland und des Grenzdurchgangslagers darüber informieren, wie das Aufnahmeverfahren in Deutschland funktioniert.

Auf dem Programm stand auch ein Besuch im Museum Friedland. Beim Gang durch die Ausstellung konnte ich mit einigen Teilnehmer*innen sprechen. So erzählte Jennifer Ghikas vom Resettlement Service des UNHCR in Genf, sie sei beeindruckt, wie die Ausstellung deutlich mache, welche umfassenden Wanderungsbewegungen der Zweite Weltkrieg und die Nazi-Herrschaft auslösten. Die Zahlen, die im Museum vermittelt werden, haben es ihr angetan: Etwa, dass in der Nachkriegszeit innerhalb von drei Monaten eine halbe Million Menschen das Grenzdurchgangslager passierten. Auch im Rahmen ihrer Tätigkeit für den UNHCR befasst sich Jennifer Ghikas mit Zahlen. Aktuell gebe es von den weltweit mehr als 60 Millionen Geflüchteten 1,2 Millionen besonders schutzbedürftige, die in das Resettlement-Programm aufgenommen werden müssten. Im Jahr 2016 seien jedoch nur 160.000 Plätze angeboten worden, 2017 sogar nur noch 57.000. Der dramatische Rückgang sei vor allem auf die drastisch gesunkene Aufnahmebereitschaft seitens der USA zurückzuführen.

Mary Abraha vom eidgenössischen Staatssekretariat für Migration berichtete, dass das Resettlement-Verfahren in der Schweiz sehr ähnlich ablaufe wie in Deutschland. In der Ausstellung gefiel ihr „die gute Mischung aus Hintergrundinformationen über historische Zusammenhänge und persönlichen Geschichten einzelner Geflüchteter“. Ähnlich auch das Fazit von Maren Göre vom Bundesinnenministerium: „Die Ausstellung eröffnet über die Geschichte des Grenzdurchgangslagers hinaus den Blick auf größere Kontexte von Flucht und Migration“.

Om Dhungel, Präsident des Verbandes der Bhutanesen in Australien, sagte, durch die Ausstellung würden eigene Fluchterfahrungen relativiert. Er selbst war aus seinem Herkunftsland Bhutan geflohen, wo er seine Frau und seine damals zweijährige Tochter zurücklassen musste. Inzwischen ist er in der Flüchtlingsberatung in Australien tätig und leitet u. a. ein Projekt für die Niederlassung Geflüchteter. Die Arbeit ist sehr erfolgreich, 60 Prozent der Teilnehmer*innen konnten sich seinen Angaben zufolge nach sechs Jahren eine eigene Wohnung in Sydney finanzieren. Ein schönes Beispiel dafür, dass Teilhabe gelingen kann.

Die Begegnungen mit den Gästen aus so verschiedenen Ländern und von solch unterschiedlichen Institutionen waren deshalb spannend, weil sie ganz vielfältige Perspektiven auf die Themen Flucht und Migration hatten. Veranstaltet wurde die Tagung vom Bundesinnenministerium, Caritas Deutschland und dem UNHCR. Wir wünschen allen Teilnehmer*innen viel Erfolg bei ihrer weiteren Tätigkeit im Bereich Resettlement, eine Aufgabe die angesichts der weltweit steigenden Flüchtlingszahlen einerseits und der zunehmenden Abschottung von Staaten wie den USA andererseits zur Zeit sehr schwierig sein dürfte.

Eva Völker

Mi, 07.03.2018 Di, 06.02.2018