Fr, 06.04.2018
Filmemacher Dieu Hao Do auf Recherche

"Deutsche Migrationsgeschichten in ihrer Vielfalt zeigen"

Vor knapp 40 Jahren kamen die ersten Boat People aus Vietnam in Friedland an, die von der niedersächsischen Landesregierung in einer beispielhaften Aktion aufgenommen wurden. Diesen Geflüchteten aus Südostasien ist ein Teil unserer Ausstellung gewidmet, für den sich auch der junge deutsch-chinesische Filmemacher Dieu Hao Do interessiert.

Der ambitionierte Nachwuchsregisseur, der bereits mehrfach mit seinen Werken beim Max-Ophüls-Festival vertreten war, gehört der zweiten Generation der Boat People an. Seine Mutter, die zuvor als Angehörige der südchinesischen Minderheit in Saigon/Ho Chi Minh Stadt  gelebt hatte, flüchtete zusammen mit ihrer Tochter und ihren Eltern 1980 von dort nach Deutschland.

Ihr Sohn setzt sich jetzt mit ihrer Vergangenheit und der der Boat People auseinander. Er will ihnen einen Film widmen. Noch steht der 31-Jährige ganz am Anfang seiner Recherchen. „Ich stelle mir viele Fragen“, sagt Dieu Hao Do: "Wie hatten die Menschen in Vietnam gelebt, ehe sie das Land verließen? Wie hat ihre Lebensgeschichte sie geprägt? Welche Auswirkungen hatten der Verlust der Heimat, die Flucht und die Ankunft in Deutschland auf die nachfolgende Generation?"

Der Filmemacher aus Berlin will ein differenziertes Bild der Boat People zeichnen, über die in der Öffentlichkeit noch immer wenig bekannt ist. „Bis heute reden die ehemaligen Boat People nicht über den Krieg in ihrem Land und die Zeit danach“, sagt Dieu Hao Do. „Es ist ein kollektives Trauma, das nach wie vor verdrängt wird“, ergänzt der junge Mann. Er hat die Erfahrung gemacht, dass es die Menschen viel Mut und Überwindung kostet, darüber zu sprechen.

Dieu Hao Do nimmt sich viel Zeit, um sich die Flucht der Menschen an Bord der „Hai Hong“ anzuschauen, die im Museum mit einer ausführlichen Fotostrecke von der Rettung vor der Küste Malaysias über die Landung in Hannover-Langenhagen bis zur Ankunft in Friedland dokumentiert ist. Unter den Bildern sind auch zahlreiche private Aufnahmen einer vietnamesischen Familie, die einige Monate in Friedland lebte. Sie geben einen Eindruck davon, wie die Menschen ihre Ankunft in Deutschland erlebten. Dieu Hao Do wünscht sich, dass deutsche Migrationsgeschichten in ihrer Vielfalt gezeigt und wahrgenommen werden. „Dafür ist das Museum ein wichtiger Ort“, sagt er. Auch mit seinem geplanten Film über die Boat People aus Vietnam will er dazu beitragen.

Eva Völker

Mo, 16.04.2018 Do, 15.03.2018