Fr, 23.06.2017
Bewohner*innen des Lagers Friedland und Besucher*innen feiern zusammen

Sommerfest des Museums Friedland

Sie schillerten in allen Regenbogenfarben, der knallblaue Himmel lieferte den perfekten Hintergrund. Doch die flüchtigen Gebilde, die der Seifenblasenkünstler Marco Wittich aus Eschwege in die Luft zauberte, bestachen durch ihre Formenvielfalt - manche bizarr in die Länge gezogen, manche einfach nur riesig und rund, manche kamen in Scharen. Die Seifenblasen machten den Auftakt zum Sommerfest des Museums Friedland. Wie schon im vorigen Jahr waren wir wieder zu Gast im Grenzdurchgangslager und nutzten den schönen Platz vor der Nissenhütte.

Wir nahmen den Weltflüchtlingstag zum Anlass, um an den Mut, die Stärke und das Durchhaltevermögen von Millionen von Menschen zu erinnern, die zurzeit weltweit auf der Flucht sind. Das traf auch auf viele unserer Gäste zu, die aus Syrien, dem Iran oder Tschetschenien nach Friedland gekommen sind. Sie freuten sich besonders darüber, dass auch so viele Menschen aus der Region da waren, um mit ihnen zu feiern. „Sie freuen sich über die Menschenliebe, die hier rüberkommt und an die viele von ihnen zurzeit im Ramadan erinnern“, berichtet Museumsmitarbeiterin Samah Al Jundi-Pfaff.

Sie leitete das Kunstprojekt „Salamstan – ein Koffer voller Wünsche“. Die Besucher*innen konnten mit Bildern oder Zeichnungen ihre Wünsche und Hoffnungen auf Postkarten zum Ausdruck bringen. Ruoa, 13, ein Mädchen aus Syrien, malte einen Schmetterling und schrieb dazu: „Ich bin so optimistisch, ich werde meinen Weg gehen.“ Sarah schrieb: „Der Weltflüchtlingstag ist eine Gelegenheit deutlich zu machen, dass wir alle Weltbürger sind.“

Wer noch intensiver mit Farbe arbeiten wollte, konnte sich beim Projekt „Kulturstühle“ austoben, das das Team von ZESS um Christa Zieker von der Uni Göttingen betreute. Hier malten Besucher*innen gespendete Holzstühle an. Manche mit einer Botschaft: „Ich vermisse Dich, Schwester“ oder „Gebt den Kindern eine Zukunft“, andere mit knalligen Punkten, geometrischen Mustern oder Blumen. Mit Pflanzenornamenten arbeitete auch der Tattoo-Künstler Stefanos Zamas. Er verzierte die Hände zahlreicher Besucher*innen mit Henna-Tattoos.

Und wer zwischendurch Lust hatte, konnte zur Begleitung der Band „Azadi“ aus Göttingen tanzen. Die Musiker aus Syrien, dem Irak und Deutschland um den Gitarristen Omid Jalali spielten traditionelle persische und kurdische Musik – zur Freude der Besucher*innen, die trotz drückender Hitze vor der Bühne die Hüften schwangen. Darunter auch einige Bewohner*innen des Grenzdurchgangslagers aus Tschetschenien, die in den Band-Pausen ihre Handies an die Anlage anschlossen, um Musik aus ihrem Herkunftsland zu spielen.

Ein sanfter Wind trieb ab und zu ein paar Seifenblasen über die Bühne. Auf der Wiese dahinter hatten nämlich inzwischen die Kinder übernommen. Der Seifenblasenkünstler Marco Wittich hatte zum Glück vorgesorgt und jede Menge Utensilien mitgebracht, darunter auch mehrere Miniplanschbecken mit Seifenlauge. Kleinkinder puddelten darin oder schauten einfach nur fasziniert den Großen zu. Die Teenager hatten ihren Spaß und versuchten, möglichst große Seifenblasen hinzubekommen.

Wir freuen uns über das gelungene Fest, und wollen an dieser Stelle dem Grenzdurchgangslager für die Gastfreundschaft, den vielen ehrenamtlichen Helfer*innen für ihre Unterstützung und - last but by no means least - der Göttinger „musa“ für die großzügige Bereitstellung der Bühnentechnik ganz herzlich danken!

Eva Völker

Mo, 10.07.2017 Do, 08.06.2017