Do, 27.04.2017

"Fluchtpunkt Friedland"

„Sehr eindrucksvoll“, „die persönlichen Geschichten haben mich bewegt“, so einige der Rückmeldungen unserer Besucher*innen, nachdem die Ausstellungsmacher*innen Dr. Lorraine Bluche und Dr. Joachim Baur sie durch das Museum Friedland geführt hatten. Sie gewährten einen Blick hinter die Kulissen und berichteten, wie sie bei ihren Recherchen für die Ausstellung vorgegangen sind.

So wurde dem Museum Friedland zum Beispiel ein Originalsuchschild übergeben, mit dem die Frau von Heinrich Popp aus Herleshausen nach ihrem in der Sowjetunion vermissten Ehemann suchte. Durch Zufall stieß das Museumsteam in einem großen Bildarchiv auf ein Pressefoto aus dem Jahr 1955, das wiederum die Frau zeigt, wie sie in Friedland eben dieses Schild in Händen hält, um beim Eintreffen eines Transports ehemaliger Kriegsgefangener aus der Sowjetunion ihren Mann zu suchen - ein schönes Beispiel für die Detektivarbeit, die die Ausstellungsmacher*innen geleistet haben. Und eine Aufforderung an die Besucher*innen, sich auch selbst auf Spurensuche zu begeben und einzelne Personen oder deren Namen an unterschiedlichen Stellen in der Ausstellung ausfindig zu machen.

Lorraine Bluche berichtete über die ersten internationalen Geflüchteten, die nach Friedland kamen, vor allem über die Chilenen und Boat People in den 70er Jahren, aber auch über kleine Gruppen von Eritreern, die ebenfalls schon zu der Zeit eintrafen.

Im Anschluss an die Führung stellten Lorraine Bluche und Joachim Baur das gerade im Wallstein-Verlag erschienene Begleitbuch zur Ausstellung vor, das sie gemeinsam herausgegeben haben. Darin beleuchten Mitglieder des wissenschaftlichen Aufbauteams einzelne Themenschwerpunkte, über die in der Öffentlichkeit bislang wenig bekannt ist. So erläuterte Lorraine Bluche etwa das jüngste Projekt „So sehe ich das…“, dessen Ergebnisse aktuell in der Nissenhütte ausgestellt sind: Fotos, aufgenommen von Geflüchteten und Spätaussiedler*innen, die ihre Perspektive auf das Grenzdurchgangslager zeigen. Auf diese Weise bezieht das Museum Friedland auch die aktuellen Bewohner*innen des Lagers in die Ausstellungsarbeit ein - ein Beispiel für die partizipative Arbeit des Museumsteams.

Das Foyer war fast voll besetzt, und viele Besucher*innen versprachen wiederzukommen. Wir freuen uns aufs Wiedersehen.

Eva Völker

 

Das Begleitbuch zur Ausstellung:

Fluchtpunkt Friedland. Über das Grenzdurchgangslager, 1945 bis heute, hrsg. von J. Baur und L. Bluche, Göttingen (Wallstein Verlag), 4/2017, 232 S., € 24,90, ISBN 978-3-8353-3012-2

04.05.2017 22.04.2017