So, 05.02.2017

100 Jugendliche aus Rosdorf und Zubri

"Für mich war der Einführungsfilm spannend, wo gezeigt wurde, wie die Menschen nach dem Krieg in ganz Europa in alle Richtungen geflohen sind - von Ost nach West, aber auch von West nach Ost." "Ich fand interessant zu hören, dass Christen und Moslems im Grenzdurchgangslager in derselben Kirche beten." Teresa, Iveta und Tabea stehen zwischen den anderen Jugendlichen im Foyer und erzählen von ihren Eindrücken nach dem Besuch der Ausstellung. Sie sind Handballerinnen, die am Jugendaustausch von Rosdorf und der tschechischen Partnergemeinde Zubri teilnehmen.

Die beiden Vereine MTV Rosdorf und HC Zubri sind sehr erfolgreich, letzterer spielt sogar in der höchsten tschechischen Liga. Vier Tage sind die 11 bis 16-jährigen Sportler*innen aus Zubri zu Gast in Südniedersachsen. Sie haben ein volles Programm. Umso mehr freut es uns, dass sie sich die Zeit nehmen für einen Besuch im MUSEUM FRIEDLAND. „Neben Handball ist natürlich auch der interkulturelle Austausch zwischen Deutschen und Tschech*innen von großer Bedeutung in der fast 50-jährigen Partnerschaft der beiden Gemeinden“, erklärt der Koordinator des Jugendaustauschs Carsten Koch. Das MUSEUM FRIEDLAND hat er als Ausflugsziel ausgesucht, weil es Inhalte vermittelt, die für die jungen Leute aus Rosdorf und Zubri relevant sind, z. B. die Teilung Deutschlands und Europas zur Zeit des Kalten Krieges, aber auch die aktuelle Situation der Menschen, die aus Ländern wie Syrien, dem Irak und Eritrea nach Europa flüchten. "Es war beeindruckend, von einer Syrerin geführt zu werden, die selbst nach Deutschland geflohen ist“, berichtet die 16-jährige Michaela aus Zubri und ergänzt: „Nachdem ich so viel über Flucht und Migration in der Ausstellung erfahren habe, weiß ich mein sicheres Leben mit meiner Familie in unserem Zuhause viel mehr zu schätzen."

Teils nachdenklich, teils ausgelassen ist die Stimmung bei den Jugendlichen nach dem Besuch im Museum und dem Gang über das Gelände des Grenzdurchganglagers. Einige machen eine Challenge: Wer kann sich am schnellsten aus dem Stand auf einen Klapphocker setzen, es gibt etliche Durchgänge, ehe die Siegerin ermittelt ist. Am Ende entscheidet der Videobeweis: Ein Mädchen hat mit ihrem Handy Aufnahmen gemacht, die den Ausschlag geben. Einige junge Leute kleben sich die bunten Museumssticker gegenseitig ins Gesicht. Andere decken sich mit den bunten Museumspostkarten ein mit Zitaten von Menschen, die im Lauf der letzten 70 Jahre nach Friedland gekommen sind. „Für mich war Friedland das Tor zu einem normalen Leben“, steht auf der Karte, die sich die 12-jährige Tabea aus Rosdorf herausgesucht hat. Sie hat von Friedland schon viel gehört: Ihr Uropa kam hierher, nachdem er aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft entlassen worden war.

Vor der Abfahrt stellen sich alle zum obligatorischen Gruppenfoto vor dem Museum auf, ehe es weiter geht zur nächsten Station. Am Abend werden die Jugendlichen in der Anne-Frank-Halle in Rosdorf übernachten, wo bis vor einem Jahr 200 Geflüchtete untergebracht waren. Auch hier ein direkter Bezug zu unserem Thema.

Eva Völker

23.02.2017 29.01.2017