Mo, 03.04.2017

1 Jahr Museum Friedland

Die Bretter bebten beim Fest im Foyer. Dort sorgten Sänger Alexej Orslet und die Band Makatumbe u. a. mit russischer, kurdischer und afghanischer Musik für ausgelassene Stimmung. Gründe zum Feiern gab es einige: 1 Jahr Museum Friedland, eine gute Resonanz mit 16.000 Besucher*innen in den ersten 12 Monaten und ein reges Interesse an der Sonderausstellung „So sehe ich das…“, die zum Geburtstag in der Nissenhütte eröffnet wurde.

Die Gäste drängten sich vor den Fotos, die ehemalige Bewohner*innen des Grenzdurchgangslagers Friedland im vergangenen September aufgenommen hatten. Sie zeigen, wie Spätaussiedler*innen und Geflüchtete ihre Zeit im Lager erleben, welche Ängste und Sorgen, aber auch welche Hoffnungen sie haben, wenn sie in Friedland ankommen. „Das bekommt man normalerweise so nicht mit, die Geschichten sind sehr berührend“, sagt Jörg Müller aus Göttingen. Er bleibt an einem Bild hängen, darauf sind Bahngleise zu sehen. Die Texte daneben erzählen die Hintergründe zu dem Foto: Mohamad aus Eritrea hat es aufgenommen, weil er zusammen mit 10 anderen während der Flucht nachts auf einer Bahnstrecke unterwegs war. Seine Gefährten wurden alle festgenommen, er blieb allein übrig.

Einige der ehemaligen Bewohner*innen sind zur Eröffnung gekommen. Vitaly aus Russland und Viktoryia aus Kasachstan zum Beispiel, sind eigens aus Regensburg angereist. Das junge Paar freut sich, dass die Fotos, die sie vor einem halben Jahr aufgenommen haben, jetzt so groß und schön präsentiert sind. Die beiden haben es inzwischen gut angetroffen in Bayern, haben eine Wohnung gefunden mit netten Nachbarn und konzentrieren sich zur Zeit ganz aufs Deutschlernen. Die Feier im Anschluss an die Ausstellungseröffnung lassen sie sich nicht entgehen.

Alexej Orslet lässt es im Foyer des Museums zunächst mit einem Gitarrenstück ruhig angehen. Bald wird die Musik lebendiger, eine ganze Reihe von Besucher*innen versammelt sich um ihn: Spätaussiedler*innen, die die russischen Texte verstehen, zahlreiche Geflüchtete, darunter einige tanzbegeisterte Kinder, denen der Rhythmus in die Beine geht, und Besucher*innen aus Friedland, Göttingen und Umgebung. Zwischendurch liest Alexej ein eigenes Gedicht auf Russisch vor, in dem er Fragen der Identität und der Zugehörigkeit verarbeitet. Erstaunlich, wie der eher zurückhaltende junge Mann mit dem beeindruckenden Vollbart  das Publikum in seinen Bann zieht. Er ist selbst vor fast 20 Jahren als Spätaussiedler in Friedland angekommen und lebt jetzt als Musiker in Göttingen.

Anschließend groovt sich die Band Makatumbe ein, die mit Drums, Akkordeon, Klarinette, kurdischem Rap und afghanischem Tanz begeistern. Die Wände wackeln, als die Band um Edgar Wendt die Menge mitreißt. Einige Zuschauer*innen greifen selbst zu Drums und Rasseln und improvisieren mit. Makatumbe bringt Geflüchtete auf die Bühne. Gut möglich, dass wir vom Museum bald wieder mit ihnen und Alexej Orslet zusammenarbeiten. Jedenfalls hat das Fest rundum Spaß gemacht, rund 700 Besucher*innen waren da. Vielen Dank an alle, die dazu beigetragen haben!

Übrigens: Die Sonderausstellung in der Nissenhütte ist Mittwoch bis Sonntag zwischen 16.30 und 18.00 h geöffnet.

Eva Völker

22.04.2017 10.03.2017