Do, 19.01.2017
Workshop des Museums Friedland

Die Zukunft gestalten – Let’s make it!

Wenn sich montagmittags die Tür zur Nissenhütte öffnet, dann dauert es nicht lang, bis sich Bewohner*innen des Grenzdurchgangslagers Friedland neugierig um die Tische im Inneren scharen. Griffbereit liegen dort heute Pinsel, Schwämme, Farben und Papier. Und nicht nur Kinder lassen sich davon zu phantasievollen selbstgemalten Bildern inspirieren. Auch Frauen und Männer unterschiedlichen Alters bringen mithilfe von Bleistift oder Pinsel ihre Gedanken, Erinnerungen und Hoffnungen zu Papier. Ein junger Mann erklärt mir, was die Treppe auf seinem Bild bedeutet: Er hat sich selbst auf dem Weg in die Zukunft porträtiert und weiß, dass er noch viele Stufen erklimmen muss. Rechts oben strahlt die Sonne vom blauen Himmel. Die Figur auf seinem Bild hat ihren Blick darauf gerichtet und scheint über der Treppe zu schweben. Am liebsten würde sie fliegen, sagt er.

Doch auch Sorgen drücken sich in den Bildern aus: Die kunstvolle Bleistiftzeichnung des Tischnachbarn zeigt nur eine Hälfte vom hübschen Gesicht einer Frau mit tiefschwarzen Augen – der Familienvater leidet sehr unter der Trennung von seiner Ehefrau und den drei Kindern, die momentan in den Niederlanden untergebracht sind. Er fühlt sich selbst wie halbiert. Obwohl viele der Menschen hier darunter leiden, dass sie nicht wissen, wie es für sie weitergeht, herrscht eine angenehme Stimmung im Raum. Ihre Gedanken sind überwiegend auf die Zukunft konzentriert.

Einmal im Monat bietet das Museum Friedland einen dreiteiligen Workshop an, der Barrieren abbauen und den Menschen, die nur vorübergehend im Grenzdurchgangslager untergebracht sind, das Museum nahebringen möchte. Zum Wochenanfang sind die Teilnehmer*innen völlig unterschiedlicher Herkunft dazu eingeladen, selbst aktiv zu werden und sich gestalterisch zu betätigen. Darüber kommen sie sowohl untereinander, als auch mit den Mitarbeitern des Museums ins Gespräch. Zur Wochenmitte bietet Pädagogin Samah Al Jundi-Pfaff eine Tour durch die Ausstellung an, bevor es am Samstagabend gesellig wird: Zur Musik aus dem eigenen Smartphone lädt die "Cellphone Discoteque" im Foyer Bewohner*innen und Museumsbesucher*innen zum gemeinsamen Tanzen ein.

Angela Steinhardt

So, 29.01.2017 Fr, 13.01.2017