Di, 22.11.2016
Herbsttreffen des AK Migration im Deutschen Museumsbund

Kulturelle Vielfalt im Museum

Gelegenheit zum inspirierenden Austausch unter Kolleg*innen bot das alljährliche Herbsttreffen des Arbeitskreises Migration im Deutschen Museumsbund: Etwa 25 Mitglieder waren der Einladung des wissenschaftlichen Leiters Joachim Baur ins Museum Friedland gefolgt - und nach einem ersten Rundgang von unserer vielschichtigen und multimedialen Ausstellung zur Geschichte und Gegenwart des bekannten Grenzdurchgangslagers sichtlich angetan. In der anschließenden Gesprächsrunde wurde rege über das noch junge Museumprojekt und seine großen Zukunftspläne diskutiert.

Wie vielfältig Museen den aktuellen Herausforderungen einer diversen Gesellschaft begegnen und wie sie den Dialog mit Geflüchteten und verschiedenen Kulturen gestalten, zeigten auch die weiteren Beiträge: Mit dem Projekt „Frankfurt Live!“ lädt das kinder museum im historischen museum frankfurt jugendliche Geflüchtete zu einer Biografie-Werkstatt ein. In selbst verfassten Texten und biografischen Interviews beschäftigen sie sich mit der eigenen Identität, entwerfen vielfältige Selbstporträts und erhalten auf diese Weise ihren Platz im kollektiven Gedächtnis der Stadt. Das Kunstmuseum Bayreuth entwickelt aktuell ein Projekt, in dem Migrant*innen zu Kulturdolmetscher*innen werden, die selbständig Inhalte gestalten und vermitteln.

Einen künstlerischen Zugang wählte auch das Museum Europäischer Kulturen in Berlin mit dem Ausstellungsprojekt „DaHeim – Einsichten in flüchtige Leben“, das in Zusammenarbeit mit „kunstasyl“ (einem Projekt der Künstlerin Barbara Caveng) und einem Heim für Asylsuchende in Berlin entstanden ist: Die Bewohner*innen gestalteten zwei Ausstellungsräume des MEK mit großformatigen Wandbildern und Installationen ihrer momentanen Wohnsituation und drückten auf diese Weise ihre ganz persönlichen Empfindungen aus.

Während das LWL-Industriemuseum Zeche Hannover in Bochum sich in einer Sonderausstellung mit Kunst, Kultur und Alltag polnischer Displaced Persons befasst, bietet das Kulturgeschichtliche Museum Osnabrück mit dem „Forum Migration“ eine partizipative Museumswerkstatt, aus der wiederum eigene Integrationsprojekte und ein virtuelles Museum hervorgegangen sind. Anhand dieser Projektbeispiele hat das Herbstreffen des Arbeitskreises eindrücklich gezeigt, dass immer mehr Museen ihren Bildungsauftrag als zukunftsweisende Aufgabe verstehen und Menschen unabhängig von Herkunft, Alter oder gesellschaftlicher Schicht die Teilhabe am kulturellen Leben ermöglichen. Angesichts der großen Relevanz hat der AK Migration schon 2015 einen Leitfaden zur kulturellen Vielfalt in der Museumsarbeit veröffentlicht, der auch online verfügbar ist.

Zum Leitfaden geht's hier.

Angela Steinhardt

Fr, 25.11.2016 Mi, 16.11.2016